Im Normalzustand abliefern | Tag 10811

Tag 10811 wird nur durch klare Struktur erfolgreich.
Ein eigentlich freier Tag wird zu einem Tag mit 8 Stunden Spätdienst. Also müssen der Besuch bei Oma und die komplette Youtube Routine davor oder danach stattfinden.
Der Plan sieht so aus:

  • 6:15 aufstehen, 15 Minuten im Bad
  • 6:30 – 8:30 Youtube (heißt Video veröffentlichen, Text schreiben und Voice Over fürs nächste aufnehmen, vorher Video-Dateien importieren)
  • 8:30 – 9:00 Fahrt nach Wiesbaden
  • 9:00 – 12:00 Besuch Oma inklusive Gärtner-Termin auf dem Friedhof.
  • 12:00 – 12:15 Mittagsschlaf auf Omas Sofa
  • 12:15 – 12:30 Oma verabschieden
  • 12:30 – 13:00 Fahrt zurück nach Rüdesheim
  • 13:00 – 21:00 Spätdienst
  • 21:00 – 21:15 Heimfahrt
  • 21:15 – 21:45 Essen
  • 21:45 – 24:00 Video schneiden, Thumbnail erstellen, hochladen
  • 24:00 – 5:15 Schlafen, danach Frühdienst an Tag 10812

Diesen Ablauf halte ich ein. Hätte ich das nicht getan, wäre es mir nicht möglich gewesen ein Video hochzuladen. Jedes Aufschieben hat nur Druck zu Folge. Nimmt man sich vor, etwas täglich zu tun, wird es früher oder später nötig sein zu planen und es durchzuziehen.

Natürlich hängt nicht mein Leben davon ab. Aber es ist eine gute Art Disziplin zu verinnerlichen und an Grenzen zu gehen. Konsistenz, die Widerspruchsfreiheit des individuellen Verhaltens über einen Zeitraum hinweg, wird oft unterschätzt, obwohl sie in den meisten Fällen zu Erfolg führt. In einfachen Worten… nicht gegen die eigene Vorstellung und die eigenen Grundsätze handeln. Es ist Willensstärke, die häufig den Unterschied macht.

Heute das 14. tägliche Video in Folge. Die Hälfte der Tage war ich zusätzlich auf der Arbeit. Und genau das will man sich doch beweisen. Im Normalzustand abliefern…und nicht nur dann wenn einem Urlaubstage die Sache erleichtern. Das hat nicht nur mit Youtube zu tun, sondern ist für viele Bereiche unserer Leben relevant. Ich neige, wie wir alle, auch dazu, zeitintensive oder besonders angenehme Dinge aufs Wochenende oder die freien Tage zu schieben. Aber auch an Arbeitstagen ist genug Zeit für Verwirklichung.

Das Filmen soll für mich zu einem natürlichen Teil des Lebens werden. Ein Rhythmus, eine Routine. Wie Zähneputzen oder zu Abend essen. Es erhöht das Bewusstsein für Einfaches und hilft Problematisches zu verarbeiten.

Ob diese Art von Disziplin und Druck gesund für Psyche und Körper ist, bezweifle ich. Aber gerade muss es für mich sein.

Wie eben schon gesagt, sind es die Tage mit Doppelbelastung, also Youtube und reguläre Arbeit, die manchmal schwierig sind. Ich merke aber trotzdem immer wieder wie wichtig der Halbtagsjob für mich ist. Er zwingt mich von Zeit zu Zeit aus den eigenen Routinen, der eigenen Welt auszubrechen und wirkt, finanziell gesehen, wie ein doppelter Boden, ein Netz das Sicherheit gibt. Ohne diese finanzielle Sicherheit keine kreative Experimentierfreude. Wenn etwas erfolgreich sein MUSS, geht Risikobereitschaft und Spontanität verloren. Ich merke immer wieder, dass es mir gut tut nicht darauf angewiesen zu sein, kreativ Geld zu verdienen. Es ermöglicht mir täglich diese kurzen Filme, die keine große Zielgruppe ansprechen, zu produzieren und mit Menschen zu teilen, die sich vielleicht in der ein oder anderen Situation wiedererkennen. Einfach weil ich es möchte, weil es mir etwas bedeutet.

Mir kommt beim Gedanken an Sicherheitsnetze, Alex Honnold in den Sinn. Honnold ist aktuell der vielleicht bekannteste Extremkletterer, der häufig auf eine Gurt-Sicherung verzichtet. Die oscarprämierte Dokumentation „Free Solo“ begleitet ihn bei der Besteigung des El Capitan, einer Steilwand im Yosemite Nationalpark. Natürlich „Free Solo“ , ohne Seil und allein. Honnold sagte in einem Interview das er mit dem Solo-Klettern begann weil es für ihn, wegen sozialer Ängste, anfangs leichter gewesen sei allein zu klettern.

Ein Sponsor von Honnold, Clif Bar & Company, ein Hersteller für Proteinriegel, kündigte 2014 den Vertrag, weil er und andere Kletterer Risiken eingegangen seien, die dem Unternehmen nicht tragbar schienen.

In einigen Szenen in Free-Solo sind Freunde und Teile des Kamerateams zu sehen, die unter größter Anspannung den Aufstieg ohne Seil verfolgen. Der Gedanke, dass ein einziger Fehler zur Folge haben kann, dass man einen geliebten Menschen in den Tod stürzen sieht, ist fast nicht auszuhalten.

Auch für die Produzenten von „Free Solo“ war es ein Risiko dieses polarisierende Vorhaben zu begleiten.

Sicherheitsnetze sind in allen Lebenslagen oft nützlich, weil sie den Kopf frei machen. Für wenige extreme Menschen, führt das Eliminieren dieses Schutzes, zum gleichen Resultat. Also mit oder ohne doppelten Boden? Wir haben die Wahl.

Falls ihr die Dokumentation „Free Solo“ noch nicht gesehen habt, schaut sie an. Ist wirklich inspirierend.

Damit verabschiede ich mich. Bis morgen. An Tag 10812. Welcher Tag ist heute für dich? …und was macht ihn besonders? Schreib’s in die Kommentare!

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Ich muss das sein lassen…

Gerade habe ich, während dem Schnitt, 2 Stunden Videomaterial gelöscht. Nicht aus Versehen, sondern bewusst. Warum?

Vor zwei Wochen hatte ich Lust ein Lego Set aufzubauen. Es musste ein großes Set sein, da ich vorhatte, dabei über Stunden hinweg, einen Podcast zu hören. Ich bezahlte also 270 Euro und dachte: „Ich kann daraus doch auch ein Youtube-Video machen…“ Das würde doch Sinn machen… Es wäre auf jeden Fall effizient und würde vermutlich einiges an Views und Wiedergabezeit generieren“.

Ich nahm eine Einleitung auf, begleitete jeden Bauschritt mit Zeitrafferaufnahmen, die ich aus insgesamt über 6000 Fotos generierte, filmte die Details jedes Moduls und jeder Minifigur und fasste zum Schluss alles in einem Fazit zusammen.

Ich begann zu schneiden. Fast zwei Stunden Material in der Final Cut-Timeline. Nach einer Stunde fragte ich mich: „Was machst du da eigentlich? Du schneidest ein Video über ein Lego Set? Für Views und Watchtime? Etwas das in keiner Weise zu deinen Inhalten auf dem Kanal passt? Bist du eigentlich komplett bescheuchert?“

Man kann dankbar sein wenn die eigene Vernunft hart einschreitet, und einen mitten im Prozess mit der Absurdität des eigenen Plans konfrontiert. Nicht alles eignet sich als Inhalt.

Nur weil es möglich ist, heißt es nicht dass es sinnvoll ist.

Die Integrität der eigenen Kunst ist wertvoll. Man sollte sie nicht aufgeben, nur um einem Zwischenziel ein kleines Stück näher zu sein. Es macht keinen Sinn sich zu verkaufen.

Wenn man nicht dahinter steht, muss es weg…so einfach ist das.

Oft scheint man nicht in der Lage, diese Entscheidung zu treffen. Man hat schon Stunden investiert, isoliert in der eigenen Welt, den Sinn zu hinterfragen ist verboten. Warum reicht es nicht, beim Aufeinanderstecken von Plastikteilen zu entspannen und dabei Podcast-Episoden der englischsprachigen Tim Ferriss Show zu hören? Ist das nicht genug Input? Ist das nicht genug „Horizont erweitern“? Nein, es soll bitte noch ein Video dabei herauskommen. Alles muss sich lohnen. Alles muss gleichzeitig passieren. Jede Chance muss genutzt werden… Bullshit.

Ich muss aufhören nicht immer noch eine weitere Schicht, einen weiteren Sinn, auftragen zu wollen. Es sollte mir doch möglich sein einzelne Momente und Handlungen bewusst wahrzunehmen, ohne die Effizienz-Brille aufzusetzen.

Nicht alles muss ein Videoprojekt, muss Kunst werden.
Die investierte Zeit rechtfertigt nicht den Sinn.
Wenn es einfach nicht passt…muss es weg.
So einfach ist das.

Felix

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Das Konzept eines erfolgreichen Youtube-Videos?

Wer auf Youtube Videos produziert und mit der, anfangs sehr kleinen, Welt teilt, weiß es:

Der Weg zu Erfolg ist oft schwer und nicht nachvollziehbar. Der Algorithmus scheint nicht zu bezwingen. Die Youtube-Tipps helfen nicht und niemand scheint sich für die eigenen Inhalte zu interessieren.

Oft genug bin ich an diesem Punkt gewesen, und werde es, in regelmäßigen Abständen, auch wieder sein. Manchmal gibt es aber Momente, in denen wird einem klar, was ein erfolgreiches Video ausmacht. Das heißt nicht, dass die Abonnentenanzahl sprunghaft auf 100.000 springt, nein. Es ist aber möglich einen Unterschied zu den, analytisch betrachtet, erfolglosen Video-Vorgängern auszumachen.

Im folgenden Video habe ich in der Vorbereitung explizit auf 3 Dinge geachtet. Die Folge waren eine deutlich gestiegene Interaktion mit dem Video. Mehr „Views“, mehr Likes, mehr Kommentare und mehr „Watch-Time“ als gewöhnlich. Ihr könnt selbst wählen, ob ihr das zugehörige Video jetzt oder erst nach dem Lesen des Blog-Eintrags schaut. Aber ich empfehle es euch, um die 3 folgenden, konzeptionellen Entscheidungen, besser nachvollziehen zu können.

Entscheidung 1: Den Zuschauer am Abschalten hindern Ich verpacke die, zu vermittelnde Information, möglichst ansprechend und kurzweilig. Das Video wird von kurzen Zwischensequenzen unterbrochen, die die Aufmerksamkeitsspanne für die folgenden Minuten wieder erhöht. Das kann aus dem Zusammenhang gerissen sein. Es muss nur überraschen. Es sollte unvorhersehbar sein, dabei gerne etwas lustig und selbstironisch. Ganz wichtig ist diese Entscheidung in den ersten 15 Sekunden des Videos. Man sollte auf alle Fälle verhindern, dass die Zuschauer in den ersten Sekunden zum nächsten Video springen, oder noch schlimmer, Youtube verlassen. Das ist es, was der Youtube-Algorithmus, verständlicherweise, am aller wenigsten mag…die Plattform verlassende Zuschauer… Ja, Youtube kann hart sein.

Entscheidung 2: Längere Videos Im Gegensatz zu, die Plattform verlassenden, Zuschauern, mag Youtube folgendes am Liebsten: Watch Time! Wiedergabezeit. Es ist der Gradmesser für Inhalte, die weiter vorgeschlagen werden. Je länger desto besser. Wenn es nach Youtube geht, verbringen die Menschen ihren kompletten Abend auf der Plattform, konsumieren Werbung und generieren Einnahmen. Also… längere Videos machen. Je länger ihr die Menschen dazu animiert, Zeit auf Youtube zu verbringen, desto besser. Wenn es das Thema hergibt: Über 10 Minuten!

Entscheidung 3: Kapitel und Ortswechsel Mit jedem Video fordert man die Aufmerksamkeitsspanne des Zuschauers heraus. Dabei helfen die Einteilung in klare Kapitel, die im besten Fall mit einem Ortswechsel verbunden sind. Das Gehirn muss etwas Neues verarbeiten, eine neue Fragestellung, eine neue Umgebung. Wieder etwas Unvorhergesehenes. Das erhöht die Auffassungsgabe und die Bereitschaft weiter zu schauen. Dabei müssen die Orte nicht unbedingt Sinn, in Bezug aufs Thema, machen. Seid kreativ, habt Spaß der Umgebung und Inszenierung.

Es reicht heute nicht mehr sich 15 Minuten vor die Kamera zu setzen und über ein Thema zu sprechen…glaubt mir, ich habe es versucht. Vielmehr geht es um permanente Veränderung, um die Kunst Vielfältigkeit zu bieten. Persönliches, Informatives, Humor, Skurriles, Beeindruckendes… Die Inszenierung muss Überraschungen bereithalten. Nur dann bleiben die Menschen bei euch, abonnieren vielleicht den Kanal und schauen ein weiteres Video. Spaß haben und kreativ sein. Sich selbst herausfordern, und dann den Zuschauer!

Nachdem ich angewendet hatte über was ich gerade gesprochen habe, kann man im Wiedergabeverhalten der Videos einen deutlichen Unterschied erkennen.

Ein Thema, inszeniert ohne Ortswechsel und Unvorhersehbares.

Und hier das Wiedergabeverhalten des oben verlinkten Videos


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Der nächste Schritt?

Vielleicht kennt das jemand…Es ist Zeit den nächsten Schritt zu tun, aber man hat keine Idee wie dieser aussehen soll. Bringt mich mehr spezifisches Wissen weiter? Sollte ich versuche, mich mit Menschen zu verbinden, um etwas zu tun, dass außerhalb meiner Komfortzone liegt? Gibt es Equipment, das eine neue Tür öffnet? Zurückziehen und einen Roman schreiben? Parallel Youtube? Sony FX6? Masterclass? Doch lieber Musik machen?
Was brauche ich? Was will ich? Was ist der nächste Schritt?

Ich weiß es nicht. Und das macht mich unruhig. Wahrscheinlich ist „abwarten“ die Antwort auf solche Phasen. Es auf sich zukommen lassen. Aber man muss doch irgendwas tun können?
Ich weiß nicht was.

Die Angst etwas nicht abzuschließen, etwas fallen zu lassen, lähmt. Ich will Ziele, die ich mir gesetzt habe, erreichen, nicht scheitern. Es fühlt sich verkrampft an. Vielleicht kurz eine andere Tür öffnen? Kurz weg von Film und Youtube, hinein in die Musik? Sich inspirieren lassen, sich wieder locker machen und dann zurück?
Das könnte funktionieren. Kein Stress. Tief atmen. Das tun was sich richtig anfühlt.

Die kleine Erkenntnis war zum greifen nah, als ich begann diesen Eintrag zu schreiben. Schreiben hilft beim Festmachen der Gedanken, beim „Sich bewusst werden“.
Was brauche ich? Was will ich? Was ist der nächste Schritt?
Nicht nur denken…besser aufschreiben beim Denken!

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Auf Youtube gewinnen immer die Lauten

Entscheidet Qualität ob etwas auf Youtube erfolgreich ist? Und was ist Erfolg?

In unserer modernen Welt ist Erfolg in Aufrufzahlen und Likes messbar. Also Sichtbarkeit. Ist die Qualität wichtiger oder die Reichweite, die zur Verfügung steht. Ihr wisst die Antwort, genau wie ich.

Ich habe heute einen Film gesehen, der deutlich macht was auf Social Media mit kunstvoll, hochwertigen Arbeiten passiert, denen Reichweite fehlt. Denen schlicht und ergreifend Sichtbarkeit fehlt.

Es geht um „ANGELITA“ , ein Kurzfilm von Josiah Gordon, (mit Chelsea Yamase und Sam Kolder) der 9 Monate gebraucht hat, um geplant und umgesetzt zu werden. Ein eigener Soundtrack. Professionelles Color Grading. 10 Drehtage unter schwierigsten Bedingungen unter Wasser in den Höhlen von Tulum (unter Aufsicht zweier professioneller Taucher) Wunderbare Szenen, dichte Stimmung und eine Geschichte, die ohne Erzähler auskommt. Es ist ein exzellenter Kurzfilm von hoher Qualität.

Wie ist die Resonanz auf Youtube? Der Erfolg? Die Zahlen? Nach einem Monat haben, während ich diesen Eintrag am 10.07.2021 um 12:00 schreibe, gerade einmal 19544 Menschen den Film gesehen. Josiah Gordon, den Regisseur, haben gerade einmal 496 Menschen abonniert. 1519 Zuschauern gefällt es… 5 nicht. Warum greift der Youtube Algorithmus, einen so gut bewerteten Film nicht auf und verhilft ihm zu mehr Reichweite? Warum treibt er die Abonnentenzahl von Josiah nicht nach oben? Es ist ein Rätsel, dass Youtube selbst nicht erklären kann.

Aber ist es nicht Zeit, dass inhaltvolle, künstlerische Beiträge, die mehr zur Kultur beitragen als reißerische Clickbait Videos, anders eingeordnet werden? Dass man ihnen eine größere Bühne gibt? In meinen Augen ja. Youtube muss etwas verändern, um Künstler zu unterstützen, die nicht durch Tricks und falsche Titel um Aufmerksamkeit kämpfen möchten.

Die Frage ist: wie erkennt man diese Art von Inhalt? Vielleicht durch Menschen die einen Film als „besonders wertvoll“ markieren können. Wie dieses Prädikat, das es in der Filmbranche schon so lange gibt.

Heute hat Sam Kolder mit einer Reichweite von 1,2 Millionen Abonnenten ein Making of Video zu „ANGELITA“ veröffentlicht. Es wird dem Film die Aufmerksamkeit geben, die er verdient. Aber was passiert mit den Filmen anderer Filmemacher, die niemanden mit hoher Reichweite an ihrer Seite haben?

Es muss eine Lösung gefunden werden. Qualität muss zu Erfolg führen.

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