Was wir eigentlich sagen wollen… | Tag 10821

Es ist Tag 10821 am Leben und gestern ging es um Einsamkeit. Ein Blick von außen, weil wenn ich eines nicht bin, dann einsam. Und das liegt überwiegend an ihr.

Dass ich mein Leben mit Melina teilen kann, bedeutet mir alles. Wir alle wissen, wie schwer es ist, Gefühle in Worte zu fassen. Es gibt keine Worte.

Auch das Wort Liebe scheitert bei dem Versuch die Komplexität unserer Gefühlswelt zu umschreiben.

Mit „ich liebe dich“ möchten wir sagen, dass uns jemand wichtig ist, dass unser Leben weniger erfüllend ohne sie oder ihn wäre. Wir möchten sagen, wie dankbar wir sind. Wie viel Angst wir haben. Wie unsicher.

Wir möchten sagen, dass wir Bilder im Kopf haben, die uns glücklich an fremden Orten zeigen. Dass wir Freuden-Tränen sehen und Schmerz.

Wir möchten sagen, dass unsere Leben irgendwann enden, aber wir es kaum erwarten können bis dahin zu leben.

Mit „ich liebe dich“ möchten wir sagen, wie viel uns die Nähe, die Wärme und Zuneigung bedeutet. wie viel es uns bedeutet, zuzuhören und gehört zu werden.

Wir sind verletzlich und unsicher. Sind verloren in dieser Welt, bis jemand kommt der alles lindert. Die großen Gesten, das Gehabe. Alles nichts wert wenn man auf einmal versteht was Zweisamkeit bedeutet. Ganz leise und klein und wichtig.

Wir öffnen uns einander. Und das hört sich nicht spektakulär an. Aber es ist mehr als ich jemals erwartet habe.

Natürlich sind wir verschieden. Und das ist gut so. Führt zu Spannung, wird laut, nur um danach wieder leise zu werden. Vorsichtig, zärtlich und Zerbrechlich.

Melina, du bist so vieles für mich. Viel mehr, als du für möglich hältst. Viel mehr, als das, was ich mit Worten beschreiben könnte.

Bis morgen an Tag 10822.
Welcher Tag ist heute für dich?
Und was macht ihn besonders?
Schreib’s in die Kommentare.

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fühlen vor denken

Wir schauen „Himmel über Berlin“. Filme, wie dieser wirken auf sie wie ein Schlafmittel. Die Monologe, die Langsamkeit, die Struktur sorgen bei ihr für Entspannung. Sie sieht kein Meisterwerk, keinen Klassiker, für den man die Augen zwingt offen zu bleiben. Sie lässt Geist und Körper entscheiden ob es sich lohnt wach zu sein. Und Körper und Geist entscheiden „nein“

Lange Zeit habe ich mich daran gestört. Wollte, dass sie den Wert erkennt, die Originalität, die Tiefe, die Qualität der Filme, die abseits des Mainstreams zeitlos werden. Ich lag falsch. Wie so oft.

Ihr Einschlafen sorgt dafür dass ich weniger Ehrfurcht habe vorm Film, weniger beeindruckt bin und mich ihm anders nähern kann. Diese Art von Film schüchtert weniger ein, wenn sie nach Minuten einschläft, weil es sie nicht interessiert.

Sie verstellt sich nicht und das erdet mich. Sie fühlt bevor sie denkt und das ist sie mir voraus. Sie ist und will nicht sein. Ich traue mir mehr zu, wenn sie da ist. Ich liebe sie.

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An einem Freitag Abend in der Therme

Melina und ich sind seit langer Zeit wieder in der Therme und genießen völlig unterschiedlich. Sie verbringt Zeit in Saune und Ruheraum. Mir reicht ein Saunagang, dann nicke ich im, holzgetäfelten Raum, neben ihr, weg. Sie schaltet ab. Ich nicht. Während ich alleine im Wasser am Beckenrand stehe, schaue ich um mich. Es ist Freitag Abend. Paare, junge Familien, Kleinkinder. Und auch wenn ich eine Beziehung führe, fühle ich mich fremd zwischen ihren Blicken, die nur einander gelten.

Es sind schöne und weniger schöne, dicke, dünne, große und kleine, die sich zu Paaren zusammengefunden haben, um, wenn die Blicke lange genug zugeneigt und lüstern bleiben, für die nächste Generation zu sorgen. Und wenn die Kleinen da sind verblasst alles andere. Der Mittelpunkt verändert sich. Noch nicht einmal Tarantino, der mit Ende 50 das erste Mal Vater wurde, kann sich dieser Einnahme, dieser Eroberung entziehen. Aber er kann die Sache entspannter angehen. 30 produktive Jahre für die Kunst liegen hinter ihm. Ohne Kompromiss. Egoistisch mit klarem Ziel. Meine Gedanken kreisen um die Frage warum mir das zu wenig scheint. Wer bin ich, um anzunehmen, dass es mir nicht gefallen würde Vater zu sein? Dass es mich nicht erfüllen würde? Das würde es bestimmt.

Aber ich möchte, selbstzentriert wie ich bin, dieses Feld nicht freimachen. Und während also um mich herum der natürliche Prozess seinen Lauf nimmt, fühle ich mich als Außenseiter. Allein im Wasser stehend, an Tarantino denkend. So überheblich von mir das glückliche Leben der Anderen als künstlerisch bedeutungslos abzuwerten. Da sitze ich auf einer von zwei Liegen, die als Liegenpaare in der Schwimmhalle stehen. Weil die Menschen hier zu zweit sind, sind es auch die Liegen. Weil die Menschen zum Abschalten hier sind. Weil die Menschen hier sind, um entspannt zu sein.

Und ich bin nicht entspannt, aber glücklich, während ich hier alleine sitze um nachzudenken und zu schreiben. Dabei wissend, dass die Person, die ich liebe gerade im Ruheraum liegt. Dann denke ich daran, dass diese Person sich manchmal wünscht, ich wäre wie die anderen. Und dieser Gedanke bedrückt mich. An einem Freitagabend in der Therme.

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