Die Schrottkarre genießen…

Ich sitze, während meines Morgenspaziergangs, auf einer dieser bequemen, liegen-artigen Bänke am Waldrand. Die Sonne scheint und ich bin geschwitzt. Ich schreibe diese Zeilen in die Notizen-App meines Telefons, weil ich sie, gerade nur so, authentisch festhalten kann.

Auf dem Weg zu eben dieser Bank habe ich ein Reh gesehen. Es steht 10 Meter entfernt in der Hofeinfahrt eines abgelegenen Hauses, unterbricht sein Grasen und schaut mich an. Dann ganz, ohne Hast, verschwindet es im Wald.

Ich gehe weiter, höre das neue „the Killers“ Album. Während ich mich übers freie Feld und durch den Wind bewege, habe ich Gänsehaut, die sich kopfabwärts ausbreitet. Aus Liebe zum Moment, dem Wind und der Freiheit. Einen kleinen Anstieg überwunden, bin ich davor in den Wald zu gehen. Vorher drehe ich mich um, schaue ins Tal, atme einige Male tief und bin glücklich.

Ich habe seit 2 Tagen nicht geduscht und ich rieche mich selbst. Und auch das macht mich zufrieden, genau wie meine alten Hosen, mein altes Hemd und meine Schuhe, die Melina nicht trägt und mir geschenkt hat. Ich pinkle an einen Baum nahe des Weges, lächle innerlich, als mir einige Meter weiter ein Paar entgegenkommt und die Frau mich skeptisch, verkniffen mustert.

Einige Zeit später laufe ich, querfeldein, durch dichtes Dornengestrüpp um eine besonders matschige Stelle des Weges zu umgehen.

Jetzt liege ich schon seit 30 Minuten auf dieser Bank  am Waldrand in der Sonne. Höre Vögel, ferne Autos und noch fernere Flugzeuge. Ich fühle mich natürlicher, verbunden mit mir selbst, unabhängig von Normen und den Blicken Anderer.

Nichts könnte mich gerade zufriedener machen, als die Tatsache, dass ich solche Tage häufig habe.

Einfach weil ich entschieden habe mir Zeit zu „kaufen“ in dem ich nur halbtags arbeite. Raum schaffen für mich, meine Kreativität und in der Folge auch für meine Beziehung und Freundschaft. Für diese Menschen und diese Momente, die etwas bedeuten.

Wie das funktioniert? Einfach die Schrottkarre genießen, die man fährt, die alte Hose, die alten Schuhe, den alten Fernseher, das günstige Essen, den eigenen Schweiss…

Weniger brauchen und kaufen.

Glücklicher und freier sein.

Lernen und Weitergeben.

Selbstverwirklichung und Liebe.

Jetzt wird es kühl auf der Bank am Waldrand. Ich will weiter.

Bis zum nächsten Mal.
Felix

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An einem Freitag Abend in der Therme

Melina und ich sind seit langer Zeit wieder in der Therme und genießen völlig unterschiedlich. Sie verbringt Zeit in Saune und Ruheraum. Mir reicht ein Saunagang, dann nicke ich im, holzgetäfelten Raum, neben ihr, weg. Sie schaltet ab. Ich nicht. Während ich alleine im Wasser am Beckenrand stehe, schaue ich um mich. Es ist Freitag Abend. Paare, junge Familien, Kleinkinder. Und auch wenn ich eine Beziehung führe, fühle ich mich fremd zwischen ihren Blicken, die nur einander gelten.

Es sind schöne und weniger schöne, dicke, dünne, große und kleine, die sich zu Paaren zusammengefunden haben, um, wenn die Blicke lange genug zugeneigt und lüstern bleiben, für die nächste Generation zu sorgen. Und wenn die Kleinen da sind verblasst alles andere. Der Mittelpunkt verändert sich. Noch nicht einmal Tarantino, der mit Ende 50 das erste Mal Vater wurde, kann sich dieser Einnahme, dieser Eroberung entziehen. Aber er kann die Sache entspannter angehen. 30 produktive Jahre für die Kunst liegen hinter ihm. Ohne Kompromiss. Egoistisch mit klarem Ziel. Meine Gedanken kreisen um die Frage warum mir das zu wenig scheint. Wer bin ich, um anzunehmen, dass es mir nicht gefallen würde Vater zu sein? Dass es mich nicht erfüllen würde? Das würde es bestimmt.

Aber ich möchte, selbstzentriert wie ich bin, dieses Feld nicht freimachen. Und während also um mich herum der natürliche Prozess seinen Lauf nimmt, fühle ich mich als Außenseiter. Allein im Wasser stehend, an Tarantino denkend. So überheblich von mir das glückliche Leben der Anderen als künstlerisch bedeutungslos abzuwerten. Da sitze ich auf einer von zwei Liegen, die als Liegenpaare in der Schwimmhalle stehen. Weil die Menschen hier zu zweit sind, sind es auch die Liegen. Weil die Menschen zum Abschalten hier sind. Weil die Menschen hier sind, um entspannt zu sein.

Und ich bin nicht entspannt, aber glücklich, während ich hier alleine sitze um nachzudenken und zu schreiben. Dabei wissend, dass die Person, die ich liebe gerade im Ruheraum liegt. Dann denke ich daran, dass diese Person sich manchmal wünscht, ich wäre wie die anderen. Und dieser Gedanke bedrückt mich. An einem Freitagabend in der Therme.

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