MUT UND TROST ZUGLEICH | Tag 10834

Am Morgen meines 10834. Tag. ist die schlechte Laune des Vorabends noch dumpf zu spüren. Zwinge mich um kurz vor sieben aus dem Bett und dann direkt nach draußen in die Kälte.

Wie immer löst sich schnell alle Angespanntheit. Das Hirn ist damit beschäftigt, die Schönheit der Natur zu verarbeiten, während der Körper Blut in alle Ecken pumpt um die Kälte zu bekämpfen.

Da ist kein Raum mehr für undefiniert schlechte Gedanken. Alles wieder ein Stück weit im Gleichgewicht.

Es ist doch seltsam wie man oft ganz zufällig Hilfe bekommt, wenn man sie am dringendsten nötig hat. Ich muss in diesem Bericht einen kleinen Zeitsprung nach hinten machen. Zu dem Moment, kurz nach dem Aufstehen, mit dumpfem Gefühl im Bauch. Weiterhin unzufrieden mit den Filmen der letzten Tage.

Ich nehme mir mein Smartphone und öffne Instagram. Eigentlich etwas, dass ich so gut es geht vermeide, nicht nur früh am Morgen. Heute aber bringt ein Blick in die persönlichen Nachrichten mir neuen Schwung. Besser gesagt, zwei Menschen, die mir geschrieben haben, tun das.

Es sind motivierend wertschätzende Worte, die mir das Gefühl vermitteln, dass alles einen Sinn hat. Auch wenn es nicht immer den eigenen Erwartungen entspricht. Ich bin dankbar für diese Rückmeldungen, die wieder mal bewusst machen, wie abhängig oft unser Gemütszustand von anderen Menschen ist. Diese immer existierende Gemeinschaft, die Mut und Trost zugleich spenden kann. Natürlich nicht nur im Bezug auf kreative Arbeit. Es ist einfach nur der Gedanke, dass man nie allein ist in dieser Welt, und dass das was man tut, nicht nur einem selbst etwas bedeutet, sondern auch anderen“ Mir bedeutet es an diesem Morgen etwas, dass sich zwei Menschen Zeit genommen haben, mir zu schreiben.

Aber zurück in den Wald. Während ich gehe, denke ich über gestern nach. Wie konnte es mir passieren, auf einmal so zu verhärten in meinen Ansichten. Alles zu viel. Zu viel Dinge. Zu viel Ballast. Nur Weiss oder Schwarz, nichts dazwischen.

Ein berechtigter Gedanke zu Konsum ist mir von gestern geblieben. Und in diesem offeneren Geisteszustand, widme ich mich ihm erneut.

Bin ich in der Lage, im Bezug auf eigene Kinder, meine Grundsätze zu Konsum hinten anzustellen? Kinder definieren sich und andere über Spielzeug, Kleidung, Schulranzen und alles mögliche andere. Das mag an der penetranten Werbung liegen, die auf Nick und den anderen Kinder-Sendern ausgestrahlt wird (glaubt mir ich weiß, durch die Arbeit, wovon ich spreche) oder das Verhalten ist ganz natürlich. Was auch immer die Gründe sind… Kinder die nicht vergleichbar mit Anderen ausgestattet sind, können Ziel von Mobbing und Diskriminierung werden. Als Eltern hat man also direkt Einfluss auf das Sozialleben der Kinder. Da helfen auch keine schlüssigen Argumentationen zu Minimalismus und Übermaß. Nein, die Regeln sind viel einfacher. Dazugehören oder nicht dazugehören. Abhängig von Markenpulli oder Spielekonsole. Als Eltern bleibt also nichts anderes übrig, als sich diesen Regeln zu beugen und zu kaufen was gerade angesagt ist. Für mich schwer auszuhalten die Vorstellung.

Als ich auf die Arbeit fahre, es ist ein Sonntag, sehe ich eine wandernde Familie zu dritt. Die Tochter läuft vorne weg. Wie trostlos dieses Leben als Einzelkind doch sein kann. Kann mich zu gut an Urlaube oder Sonntag-Abende erinnern. Unverstanden sein, trotz guter Freunde nicht immer einen Ansprechpartner in der Nähe, niemanden mit dem man sich verbünden kann. Einfach immer in der Unterzahl.

Bis morgen an Tag 10835.
Welcher Tag ist heute für dich?
…und was macht ihn besonders?
Schreib’s in die Kommentare.

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