ALTE WUNDEN SCHLIESSEN | Tag 10830

Tag 10830. Am Tag an dem ihr das hier seht, wird Melina 26 Jahre, oder 9497 Tage, alt.

Wir werden wenig Zeit füreinander haben. Sie hat Frühdienst, beginnt also um 6. Ich Spätdienst, bis 9 Uhr abends.

Was schenke ich ihr? Ich mag es nicht Dinge zu schenken. Dinge, die rumliegen, rumstehen, die man irgendwann vergisst und die man sich auch ganz einfach hätte selbst kaufen können. So sammelt sich Zeug an, dass irgendwann ganze Keller und Dachböden füllt. Ich mag es etwas zu schenken, dass man gemeinsam erlebt. Macht in meinen Augen mehr Sinn.

Als ich vor einigen Tagen beginne darüber nachzudenken was ihr Freude machen könnte, muss ich an unseren Kalifornien Urlaub 2018 denken. Wir standen in der Schlange der Minions Attraktion und Melina suchte die gedruckte Übersichtskarte der Universal Studios nach dem „Jurassic Park“ Themenbereich ab. Da war nichts. Und nachdem sie erst noch Hoffnung hatte, brachte google dann endgültige Gewissheit. Die alte Jurassic Park Attraktion war geschlossen und eine neue war im Bau. Ihr standen die Tränen in den Augen. Darauf hatte sie sich wirklich gefreut.

Auch der Raptor „Blue“ war kein Ersatz. Außerdem konnte sie mich nicht in der fotografierenden Menge finden, als es um ein gemeinsames Foto ging. Das ist das einzige Bild. Ihr Blick suchend.

Natürlich war das nicht unser größtes Problem 2018. Unsere Beziehung bestand aus unausgesprochenen Erwartungen, nichterfüllten Bedürfnissen und dem bequemen nebeneinander her leben zweier Menschen, bevor sich ihre Wege trennen. Fast ein Jahr später, passierte das dann.

Auch wenn wir heute zurückdenken an diese kleine Reise, ist das das erste was uns in den Sinn kommt. Wie distanziert, wie unglücklich wir waren. Heißt nicht, dass wir dort keinen Spaß hatten aber es war als würden zwei Freunde reisen. Nichts erinnerte daran, dass da zwei Menschen unterwegs waren, für die das gemeinsame Leben Erfüllung bedeutet.

Wir kehren also im März nach Los Angeles zurück und führen im Gegensatz zu damals eine Beziehung, die fast ausschließlich wertschätzend und liebevoll ist. Zwei Menschen die dieses Leben gemeinsam verbringen wollen, weil es so einfach schöner ist. Zwei Menschen, die gemeinsam glücklich sind. Das ist natürlich nur meine Wahrnehmung. Vielleicht würde Melina etwas anderes sagen.

Es liegt also auf der Hand, dass ich ihr die Eintrittskarte in die Universal Studios schenke. Eine Rückkehr unter anderen Bedingungen. Eine Rückkehr in der Melinas liebste Attraktion geöffnet ist und die hoffentlich ohne Tränen auskommt. Auch als Metapher für uns als Paar.

Ich fahre in einen kleinen Spielzeugladen um etwas Jurassic-Park-Bezogenes zu kaufen und habe die Wahl zwischen Lego und einem, aus einem Ei schlüpfenden, Dinosaurier. Ich entscheide mich für Lego weil die Box sich gut eignet um Melina im Vorhinein etwas zu verwirren. Schnell noch ein passendes Bild erstellt, dessen Rückseite mir als Geburtstagskarte dient und fertig.

Leider ist die Tinte des Druckers leer. Deshalb morgen noch schnell zu DM . Ich hoffe sie freut sich.

Den Abend verbringen wir entspannt. Melina ist auf der Suche nach den perfekten Winterschuhen. Und ich esse ungesunde Portionen von ungesundem Essen.

Bis morgen an Tag 10831.
Welcher Tag ist heute für dich?
…und was macht ihn besonders?

Standard

Was wir eigentlich sagen wollen… | Tag 10821

Es ist Tag 10821 am Leben und gestern ging es um Einsamkeit. Ein Blick von außen, weil wenn ich eines nicht bin, dann einsam. Und das liegt überwiegend an ihr.

Dass ich mein Leben mit Melina teilen kann, bedeutet mir alles. Wir alle wissen, wie schwer es ist, Gefühle in Worte zu fassen. Es gibt keine Worte.

Auch das Wort Liebe scheitert bei dem Versuch die Komplexität unserer Gefühlswelt zu umschreiben.

Mit „ich liebe dich“ möchten wir sagen, dass uns jemand wichtig ist, dass unser Leben weniger erfüllend ohne sie oder ihn wäre. Wir möchten sagen, wie dankbar wir sind. Wie viel Angst wir haben. Wie unsicher.

Wir möchten sagen, dass wir Bilder im Kopf haben, die uns glücklich an fremden Orten zeigen. Dass wir Freuden-Tränen sehen und Schmerz.

Wir möchten sagen, dass unsere Leben irgendwann enden, aber wir es kaum erwarten können bis dahin zu leben.

Mit „ich liebe dich“ möchten wir sagen, wie viel uns die Nähe, die Wärme und Zuneigung bedeutet. wie viel es uns bedeutet, zuzuhören und gehört zu werden.

Wir sind verletzlich und unsicher. Sind verloren in dieser Welt, bis jemand kommt der alles lindert. Die großen Gesten, das Gehabe. Alles nichts wert wenn man auf einmal versteht was Zweisamkeit bedeutet. Ganz leise und klein und wichtig.

Wir öffnen uns einander. Und das hört sich nicht spektakulär an. Aber es ist mehr als ich jemals erwartet habe.

Natürlich sind wir verschieden. Und das ist gut so. Führt zu Spannung, wird laut, nur um danach wieder leise zu werden. Vorsichtig, zärtlich und Zerbrechlich.

Melina, du bist so vieles für mich. Viel mehr, als du für möglich hältst. Viel mehr, als das, was ich mit Worten beschreiben könnte.

Bis morgen an Tag 10822.
Welcher Tag ist heute für dich?
Und was macht ihn besonders?
Schreib’s in die Kommentare.

Standard

Beziehung | Tag 10803

Heute ist mein 10803. Tag am Leben.

Der Tag beginnt mit einem typischen Morgen in unserer Beziehung. Ich stehe auf, Melina schläft gerne etwas länger. Nachdem sie Musik gehört hat, schaut sie gegen halb 10 durch die Glastür zu meinem Büro.

Dann sitzen wir für einige Minuten am Tisch und unterhalten uns, bevor Melina zum Sport und ich zurück vor den Rechner oder nach draußen gehe. Erst kürzlich ist mir bewusst geworden, wie viel Zeit wir miteinander verbringen können. Und was für ein Privileg das ist. Spaziergänge am Vormittag. Abends unter der Woche ins Kino oder Essen gehen. Unsere gemeinsamen Aktivitäten sind selten aufs Wochenende beschränkt, das in vielen Beziehungen gleichzeitig die einzige Möglichkeit bietet Familie oder Freunde zu sehen.

Problematisch wird es, wenn ich wenige Dienste habe und permanent in der Wohnung bin. Dann merke ich, das Melina sich wünscht ich wäre mal einen kompletten Tag woanders. Und das völlig Zurecht. Zu wenig oder zu viel Zeit. Es geht immer darum die Balance zu halten. Es nicht zu überstrapazieren. Der Partnerin oder dem Partner Raum lassen und gleichzeitig zeigen, dass man da ist wenn man gebraucht wird. Vertrauen und gleichzeitig neue Entwicklungen zulassen.

Würde man sich als Single bei einem Date für die jetzige Partnerin oder den Partner entscheiden, ohne sie oder ihn zu kennen? Anhand der Eigenschaften und Zukunftsvision? Ob Menschen zusammen kommen oder nicht hat doch mit unterschiedlichsten Faktoren und dem richtigen Moment zu tun zu haben. Wahrscheinlich würde es sogar Sinn machen, dass sich die Partner nach einigen Jahren jeweils umorientieren. Weil sich jeder Mensch entwickelt und die Wahrscheinlichkeit dass dies komplett parallel geschieht doch ziemlich unwahrscheinlich ist. Da kommt wieder die gesellschaftliche Norm ins Spiel. Es ist weiterhin eher akzeptiert eine Beziehung auf ein möglichst langes Bestehen auszurichten, als darauf, das sie erfüllend ist. Das heißt natürlich nicht, dass in diesem Bereich in den letzten Jahren keine progressive Entwicklung stattgefunden hat und auch nicht das glückliche Beziehungen über Jahrzehnte hinweg ausgeschlossen sind.

Ich bin den Tag über wieder alleine. Sitze zu viel vor dem Macbook und verliere schnell die zeitliche Relation. Um dem entgegenzuwirken zwinge ich mich nach draußen. Wie die letzten Tage scheint die Sonne und ich setze mich vor’s Haus und lese. Chuck Palahniuk, der Autor von Fight Club, hat ein Buch über seine Tätigkeit geschrieben. Es trägt den sperrigen Titel: „Consider this: Moments in my Writing Life after which everything was different“ und ist gefüllt mit praxisorientierten Denkanstößen zum kreativen Schreibprozess und Geschichten erzählen.

Hier ein Zitat aus dem Buch: „Das Problem ist, dass die Leser vor dem Pronomen „ich“ zurückschrecken, weil es sie ständig daran erinnert, dass sie selbst die Ereignisse der Handlung nicht miterleben. Wir hassen das, wenn wir jemandem zuhören müssen, dessen Geschichten nur von ihm selbst handeln. Die Lösung besteht darin, die erste Person zu verwenden, aber das „Ich“ unterzutauchen und den Fokus immer auf andere Personen zu richten.“ -Chuck Palahniuk

(Das Zitat beschreibt übrigens ein Problem mit dem die meisten meiner Texte aktuell noch zu kämpfen haben…)

Aber lohnt sich ein solches Buch auch für Menschen, die wie ich, nicht unbedingt Schriftsteller werden möchten? Ich würde sagen ja…einfach weil die Kunst gute Geschichten zu erzählen, jedem kreativen Menschen hilft die eigene Vision umzusetzen. Es geht darum zu unterhalten, Spannung zu erzeugen und sie dann wieder aufzulösen. Eine Dynamik die den Leser oder Betrachter herausfordert, konfrontiert und spiegelt.

Duscht sich von euch jemand kalt ab? Was Kneipp schon geahnt hat, ist seit Jahren durch einige Studien bestätigt. Regelmäßige Wechselbäder stärken nachhaltig das Immunsystem, helfen beim Abnehmen und senken Stress. Ich mache das seit einigen Wochen nach der regulären Dusche für ca. eine Minute und ich muss sagen, dass ich mich danach gut fühle. Außerdem macht mich die Überwindung den Hahn komplett nach rechts zu drehen, irgendwie süchtig. Keine Ahnung warum.

Während ich das Abendessen vorbereite schaue ich eine Folge Lanz. Vertreter*innen von CDU, den Grünen und der FDP diskutieren, unter anderem, über Einwanderungspolitik. Ein komplexes Thema über das es sich lohnt zu sprechen.

Anders verhält es sich wenn es um „Verbote“ geht. Gerade FDP und AFD, schüren im Wahlkampf, durch die Nutzung dieses Wortes, immer wieder Angst. Der potenzielle Wähler wird damit konfrontiert, etwas weggenommen zu bekommen. „Auf deutschen Autobahnen keine 250 mehr fahren dürfen?“ „Kein Billig-Fleisch mehr?“ „Keine Inlandsflüge?“ und „Keine SUV’s in den Innenstädten?“

Denkt man über diese Punkte nach, kommt man zu dem Schluss, dass keine dieser, nennen wir sie mal Gebote, Sinn machen. Zumindest nicht wenn man rational darüber nachdenkt. Unser Verhalten als Gesellschaft verändert sich im Laufe der Zeit in natürlicher Art und Weise. Etwas das vor 30 Jahren vielleicht noch Sinn gemacht hat, kann heute völlig unsinnig sein. Einfach weil unsere Situation eine andere ist, oder wir auf mehr Informationen zurückgreifen können.
Beitrag zum Thema (TAZ)

Die Wahlplakate von FDP und AFD zielen natürlich in keinster Weise auf eine rationale Argumentation ab… sie wollen eine emotionale Reaktion auslösen. Angst eignet sich weiterhin perfekt als Manipulator.

Melina kommt vom Spätdienst und wir schauen „Jerks“ mit Christian Ulmen und Fahri Yardim. Eine der Serien, die es immer wieder schafft zu überraschen. Irgendwie angenehm unangenehm… Falls ihr die Serie schaut wisst ihr was ich meine.

Wir sehen und hören uns morgen. An meinem 10804. Tag. Welcher Tag ist heute für dich? Und was macht ihn besonders? Schreib’s in die Kommentare.

Standard