MENSCHEN UM DIE 30… | Tag 10837

An Tag 10837 schwirrt mir nach alten Büchern ständig das Wort „bürgerlich“ im Kopf herum. Dieses seltsame Wort, dass wir heute vielleicht höchstens ab und zu in der Politik hören, wenn sich Christdemokraten oder Liberale als „bürgerliche“ Parteien bezeichnen.

Bis zum frühen 20. Jahrhundert, hat dieser Begriff noch einen anderen Stellenwert. Das Bürgertum bildet die pflichtbewusste, ordentliche Mitte zwischen den radikalen Rändern der Gesellschaft und sorgt für Stabilität. Ein klares System das Richtlinien für alles bereitstellt, wenn man nur die Fähigkeit, kritisch zu hinterfragen, verlernt.

Dieses etwas mutlose und biedere, rechtsschaffende Leben, wurde, durch Kunst und Wissenschaft immer mehr zum einfältigen, ja altbackenen. Und so klingt heute bürgerlich für uns nach alter Gaststätte oder Pension.

Die interessantere Frage ist, ob so eine Art Bürgertum, oder Mittelstand heute überhaupt noch existiert. Ob dieser gemeinsame Nenner in der Mitte unserer Gesellschaft nicht notwendig wäre, für Fortschritt. Es gibt wenig worauf sich die Masse heute einigen kann. Alles scheint polarisiert. Sogar Grundwerte wie Freiheit verwässern durch Querdenker-Bewegung und Pandemie-Leugner. Klimaschutz bedeutet, abhängig von Altersgruppe, oft etwas komplett anderes. Die Generationen weit voneinander entfernt. Das Individuum immer wichtiger.

Ich will mich selbst nicht davon ausnehmen. Auch mich muss man, überspitzt gesagt, als asozial bezeichnen. Im Pflegeberuf, in dem ich gebraucht werde, arbeite ich nur halbtags und verwirkliche mich ansonsten selbst. Stelle mich in den Mittelpunkt. Das eigene kurze Leben für sich so erfüllend wie möglich gestalten, ohne Rücksicht auf die Auswirkungen, die dieses Verhalten auf eine Gesellschaft haben wird. Die Folgen einer immer globaleren Welt.

Diese Bewegung ist nicht aufzuhalten. Immer mehr Menschen werden Stunden im Job reduzieren, um mehr Zeit für eigene Leidenschaften oder auch Kindererziehung zu haben. Pflichtbewusstsein verliert weiter an Relevanz. Menschen um die 30 sind Individualisten.

Aber denken wir wirklich frei und zukunftsorientiert? Oder sind wir weiterhin abhängig von Mustern? Was vereint heute uns Menschen um die 30? Die einzige Generation zu der ich überhaupt etwas sagen kann. Und trotzdem bleiben die Gedanken wohl subjektiv und bedürfen Ergänzung.

Menschen um die 30 …

  • haben das Gefühl niemals ein Eigenheim kaufen zu können.
  • haben keinen Überblick über ihre digitalen Abos
  • kaufen Krypto-Währungen und denken sie werden reich.
  • lieben immer noch Lego. Menschen um die 30 …
  • kommen nicht mehr hinterher bei den ganzen neuen Serien auf Netflix
  • wollen eigentlich weniger arbeiten, glauben aber es sich nicht leisten zu können.
  • halten es für notwendig täglich zu duschen
  • lieben Sneaker Menschen um die 30 …
  • fragen sich ob sie noch fliegen sollten.
  • möchten die Welt sehen, haben aber keine Zeit.
  • geben zu viel für ihre Wohnung aus
  • denken darüber nach Kinder zu bekommen. Menschen um die 30 …
  • glauben, dass man die Dinge auf sich zukommen lassen sollte.
  • sind gerne gute Gastgeber
  • glauben, sie haben den Durchblick und sind besonders.
  • haben das Gefühl, sie sollten mehr Sport machen und gesünder leben. Menschen um die 30 …
  • feiern gerne.
  • vergessen auf Instagram und Tik Tok die Zeit
  • machen teure Geschenke
  • sind nostalgisch Menschen um die 30 …
  • fühlen sich noch jung
  • brauchen hin und wieder die Unterstützung der Eltern.
  • fragen sich ob sie vielleicht doch nochmal studieren sollten
  • glauben, dass andere Menschen glücklicher sind.

Diese Liste lässt sich ins Endlose fortführen und nicht alles trifft auf jeden zu. Es sind nur Eigenschaften, die mir in den Kopf kamen. Vielleicht fallen euch in den Kommentaren einige Punkte ein, die ich komplett vergessen habe.

Aber was machen wir jetzt mit diesem Bild, dass wir von uns selbst und unserer Generation haben? Was klar wird ist, dass wir nicht sehr verantwortungsbewusst sind. Dass wir doch relativ gerne in den Tag hinein leben, wenn wir nicht gerade auf die Arbeit müssen. Wir haben in unserer Kindheit wahrscheinlich mehr Zuwendung erfahren, als die Generation vor uns, haben vielleicht sogar hin und wieder gesagt bekommen wie toll wir sind und das wir alles schaffen können. Ja vielleicht sind wir etwas zu verliebt in uns selbst und ordnen uns nicht gerne unter.

Wir sind eine Mittelschicht aus Individualisten, der es nur schwer möglich sein wird, die Probleme der Zukunft anzugehen. Vielleicht nehmen sich die jüngeren Menschen wieder mehr als Einheit wahr, ersetzen „Bürgertum“ und „Mittelstand“ durch neue Worte. Sind politisch engagierter. Wer weiß.

Bis morgen an Tag 10838
Welcher Tag ist heute für dich?
…und was macht ihn besonders?
Schreib’s in die Kommentare.

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