DER MENSCH IM LARVEN-ZUSTAND | Tag 10832

Dieser 10832. Tag beginnt mit Melinas Geburtstag. Mit dieser halben Stunde am Morgen, die uns beiden zeigt wie nah wir uns sind. Es macht mich traurig, sie an diesem Morgen gehen zu sehen. Traurig, dass wir noch nicht selbst entscheiden, wann wir arbeiten um Geld zu verdienen.

Dieser 10832. Tag beginnt mit Melinas Geburtstag. Mit dieser halben Stunde am Morgen, die uns beiden zeigt wie nah wir uns sind. Es macht mich traurig, sie an diesem Morgen gehen zu sehen. Traurig, dass wir noch nicht selbst entscheiden, wann wir arbeiten um Geld zu verdienen.

Während ich später durch den Herbst-Wald gehe höre ich Henry David Thoreaus „Walden“. Einen Klassiker über das Aussteigerleben. In diesem Buch erzählt Thoreau von zwei Jahren, die er ab dem 4. Juli 1845 als Selbstversorger am Walden-See verbrachte. Fernab der industrialisierten Zivilisation. Der Schriftsteller und Philosoph, damals 28 Jahre alt, berichtet vom einfachen, bewussten Leben ohne Annehmlichkeiten, das er bevorzugt um die eigene geistige Leistungsfähigkeit hoch zu halten. Die zwei Jahre machten ihm klar, dass nur 6 Wochen Lohnarbeit nötig waren, um den Rest des Jahres mit denken, lesen, schreiben und erkunden zu verbringen.

Viele seiner Gedanken und Texte sind heute genauso relevant wie vor 170 Jahren, was wieder einmal deutlich macht, dass grundlegende menschliche Weiterentwicklung ein Trugschluss ist. Die Menschheit wird immer wieder zu ihren Grundsätzen zurückkehren. Ganz egal ob sie in Kutschen oder Raumschiffen befördert wird.

Ich erkenne einige seiner Grundsätze, auch in mir. Den Drang sich aufs Wesentliche zu reduzieren, der Wunsch sich frei zu machen von Konventionen und der daraus resultierende Fokus auf geistige Verwirklichung. Die Verbindung zur natürlichen Schönheit, zum Kreislauf des Lebens. Ich schätze dass jeder geistig und künstlerisch veranlagte Mensch mit „Walden“ etwas anfangen kann. Zumindest diejenigen, die einem alternativen Lebensstil nicht abgeneigt sind.

Hier ein ein Zitat aus Walden: Mein Einwand gegen die Tiernahrung galt hauptsächlich der damit verbunden Unsauberkeit. Außerdem fühlte ich mich, wenn ich den Fisch gefangen, gewaschen, gekocht und gegessen hatte, gar nicht richtig gesättigt. Es war unerheblich und unnötig und kostete mich mehr als es einbrachte. Ein Stück Brot oder ein Paar Kartoffeln hätten das Gleiche getan. Mit weniger Arbeit und weniger Schmutz. Gleich vielen Anderen meiner Zeitgenossen habe ich jahrelang nur selten fleischliche Nahrung, Kaffee oder Tee zu mir genommen. Und das weniger aus Gesundheitsgründen, als weil es unangenehme Vorstellungen erweckte. Die Abneigung gegen fleischliche Nahrung gründet sich nicht auf Erfahrung. Sie ist eher instinktiv. Ich fand es schöner ein einfaches und in mancher Beziehung, hartes Leben zu führen. Und obwohl ich das eigentlich nie wirklich tat, ging ich doch weit genug um meinen Vorstellungen genüge zu tun. Ich glaube, dass jeder Mensch, dem daran liegt, seine dichterischen oder höheren geistigen Fähigkeiten in guter Verfassung zu erhalten, dazu neigt auf tierische und auf zu viel Nahrung überhaupt zu verzichten. Es ist eine bezeichnende, von den Entomologen bestätigte Tatsache, wie ich bei Kirby und Spence las, dass einige Insektenarten in voll entwickeltem Zustand mit Fresswerkzeugen ausgestattet sind, von denen sie keinen Gebrauch machen. Und es gilt als allgemeine Regel, dass fast alle Insekten in diesem Stadium viel weniger fressen als im Larven-Zustand. Ist die gefrässige Raupe zum Schmetterling verwandelt, die unersättliche Made zur Fliege geworden, dann sind sie mit einem bis zwei Tropfen Honig oder einer anderen süßen Flüssigkeit zufrieden. Das Abdomen unter den Flügeln des Schmetterlings, das an die einstige Larve erinnert ist der Leckerbissen, der die Insektenfresser anlockt und ihm zum Verhängnis wird. Ein starker Esser ist ein Mensch im Larven-Zustand. Es gibt ganze Völker, die sich in diesem Zustand befinden. Völker ohne Fantasie und Vorstellungskraft, die man an ihrem dicken Abdomen erkennen kann.

Bis morgen an Tag 10833
Welcher Tag ist heute für dich?
…und was macht ihn besonders?
Schreib’s in die Kommentare.

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