Voller Angst im Taunus-Wunderland | Tag 10827

An Tag 10827 fahren Melina und ich mit Marius und Anni ins Taunus-Wunderland, einer der wenigen Freizeitparks, im so dicht bewohnten Rhein-Main Gebiet. Zielgruppe 8-12… passend für meine Risikobereitschaft in Sachen Achterbahnen und anderen Fahrgeschäften. Die Tage um Halloween sind das letzte Highlight der Saison und überall stehen Skelette, Zombie Katzen und Kürbisse. Einige verkleidete Mitarbeiter versuchen gruselig zu gucken.

In der Schlange überwiegend Kinder mit ihren Eltern. Die sind teilweise auch geschminkt und verkleidet. Auch im Freizeitpark gilt… Sehen und gesehen werden.

In so einem Park treffen sich alle möglichen Arten von Menschen. Weil nichts vergleichbar ist, und die Eintrittskarten gerade noch erschwinglich für die meisten. Das allein macht es schon interessant.

Das Taunus Wunderland ist ein Ort an den ich Erinnerungen aus der Kindheit habe. Nicht unbedingt gute. Ich war ein ängstliches Kind und erinnere mich daran wie Opa und Oma mich überreden mussten die kleine Achterbahn zu fahren, die bis heute steht. Diese scharfen Kurven ganz oben. Wahrscheinlich habe ich geweint. Wahrscheinlich war ich schon zu alt um deshalb zu weinen. Aber zumindest ist es eine Erinnerung.

Das vorsichtig, ängstliche ist geblieben. Zumindest wenn es um Fahrgeschäfte und Höhe geht. Ich kann der Technik nicht vertrauen. Kann mich nicht dem Adrenalin hingeben. Verkniffen halte ich mich an den Sicherheitsbügeln fest bis es vorbei ist. Egal ob Kinderachterbahn oder Silver-Star.

Wie kommt das? Warum sind die einen mutig und die anderen ängstlich? Hat das überhaupt mit Mut zu tun, sich in eine Achterbahn zu setzen? Bestimmt.

Aber es gibt natürlich ganz verschiedene Arten von Angst und Mut. Achterbahnen und Free Fall Tower sind nur eine davon. Ähnlich wie Bungie-Sprünge und Sprungtürme führen sie durch einen Rausch, ohne das man selbst Risiko abschätzen muss. Vertrauen in die Umgebung und fallen lassen.

Aber wie sieht es mit Ängsten aus, denen sich die meisten Menschen nicht mehr stellen müssen. Reale Ängste, die den eigenen Tod zur Folge haben können. Wilder Dschungel, Klippensprünge, Klettern ohne Sicherung, Demonstrieren in autoritären Staaten, Militäreinsätze, Bürgerkriege. Nur um einige zu nennen.

Eine ganz andere Stufe von Angst.

Die Fight or Flight response ist ein vom US-amerikanischen Physiologen Walter Cannon geprägter Begriff. Er forschte an Soldaten, die aus dem ersten Weltkrieg zurückkamen und eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt hatten.

Die Kampf-oder-Flucht-Reaktion beschreibt die rasche körperliche und seelische Anpassung von Lebewesen in Gefahrensituationen als Stressreaktion.

Adrenalin als überlebenswichtiges Hormon. Höhere Herzfrequenz, Blutdruckanstieg, Bronchialerweiterung, schnelle Energiebereitstellung, weniger Magen-Darm-Aktivität. Der Körper im Ausnahmezustand. Ein Ziel. Nicht sterben.

Jeffrey Alan Gray erweiterte 1988 „fight or flight“ um Freeze (also Erstarren) und fright (Schreck)

Bei „Freeze“ erhöht sich die Aufmerksamkeit und Bewegungslosigkeit tritt ein. Es gibt Hoffnung übersehen zu werden „Fright“ lähmt die Muskulatur. Ziel ist es sich tot zu stellen. Das tritt ein wenn weder Kampf, noch Flucht realistisch erscheinen.

Zu lang andauernder Stress kann zum Zusammenbruch des Organismus führen.

Wir leben heute in so großer Sicherheit, dass wir uns nach Adrenalin-Stößen sehnen. Also hat die Menschheit Freizeitparks entwickelt. Todesangst ohne Todesangst.

Es war ein schöner Tag. Gemeinsam im Taunus-Wunderland.

Bis morgen an Tag 10828
Welcher Tag ist heute für dich?
…und was macht ihn besonders? Schreib’s in die Kommentare.

Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s