Die Alten sind schuld?! | Tag 10816

Am Abend des 10816. Tags höre ich Peer Steinbrück bei Markus Lanz über zentrale Themen sprechen, die in der öffentlichen Debatte und im vergangenen Wahlkampf, seiner Meinung nach, unterrepräsentiert waren. Als Themen nennt er die gesellschaftlichen Folgen des Klimawandels, die Finanzierung des Rentensystems und stellt dann folgende Frage, die mich seitdem beschäftigt:

Wie entwickelt sich eine Gesellschaft die immer älter wird, (…) und auf Status-Quo Interessen orientiert ist. (…) Wie ist es um die Innovationsfähigkeit und um die Neugier einer Gesellschaft bestellt, die immer älter wird?

Wir reden häufig von notwendigem Fortschritt, gesellschaftlicher Progression. Den Klimawandel stoppen. Dabei vergessen wir, dass jüngere Menschen eine Minderheit sind. Eine Pressemitteilung des statistischen Bundesamt vom 30. September 2021, spricht davon, dass sich die Zahl, der im Rentenalter befindlichen Personen bis zum Jahr 2035 um 16 Prozent auf 20 Millionen erhöhen wird.

Wir erwarten also Neugier von Menschen, denen die moderne Welt immer fremder wird. Menschen, die aus Unsicherheit beginnen, Ängste zu entwickeln. Außerdem sind wir der Meinung, dass die Lebensweise dieser Generation unsere aktuell so schwierige Lage ausgelöst hat.

Die Wohlstands- und Wegwerfgesellschaft, die zu viele Autos besitzt und fährt, die überall hin fliegt, die Wasser verschwendet und jeden Tag Fleisch ist. Sind wir denn heute wirklich so anders?

Wir vergessen dass unsere Unbeschwertheit auf diesem Leben aufgebaut ist. Wir vergessen, dass wir, die jüngeren Generationen, in der Lage sind, Zustände in Frage zu stellen, weil es uns an nichts fehlt. Es fehlt uns nicht an Materiellem und häufig auch nicht an emotionaler familiärer Zuwendung.

Die Rentengenerationen von heute haben zwar größtenteils nicht mehr den Krieg erlebt aber sie wurden in der Nachkriegszeit sozialisiert. Die Gesellschaft brauchte Sicherheit und neigte sich hin zum Konservativen. Ohne viel Risiko ein strukturiertes Leben führen. Nicht zu viel hinterfragen. Eine Norm. Ein Standard. Eine Gesellschaft, die nach dem Kriegstrauma, wieder funktionieren musste.

In dieser Zeit wuchsen die Rentner von heute auf. Das sollte uns bewusst sein, wenn wir fordern nach vorne zu denken, Lebensstile zu verändern oder Risiken einzugehen.

Es geht kein Weg daran vorbei. Dinge müssen sich verändern. Aber wie können wir als Gesellschaft und Politik, vorsichtig Neugier wecken? Vielleicht sind die „Fridays for Future“ Bewegungen zu laut, zu forsch. Sie lösen bei vielen Gegenreaktionen aus. Was nicht heißt, dass sie nicht absolut notwendig sind.

Die Frage ist doch, schaffen wir es, einen konstruktiven Ton in der Debatte zu finden, der auch ältere Menschen einlädt in die Zukunft zu denken? Schafft es die gespaltene Gesellschaft sich wieder anzunähern. Die Alten sind nicht die Bösen weil sie nicht tun was nötig ist. Sie haben einfach Angst. Sie hatten und haben ein gutes Leben. Sie wollen keine Veränderung.

Und trotzdem ist es nötig sie zu erreichen, sie mit ins Boot zu holen. Weil es eben um die Zukunft geht.

Der Regisseur David Lynch sagte: „Wenn Menschen älter werden, schließt sich ihr Fenster zur Welt“

Wir sollten alles daran setzen, dass sich diese Fenster nicht schließen. Anschuldigungen sind ein sicherer Weg, dass genau das passiert.

Vielleicht sollten wir älteren Menschen zutrauen zuzuhören, auch wenn die Worte nicht aus Megafonen dröhnen.

Bis morgen.
Tag 10817
Welcher Tag ist heute für dich?
…und was macht ihn besonders?

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