Kein Abo hält ein Leben lang! | Tag 10815

Heute ist Tag 10815 am Leben. In der Nacht habe ich mein Adobe Creative Cloud Abo gekündigt. Monatlich 12 Euro um die Bildbearbeitungsprogramme Lightroom und Photoshop zu verwenden. Selten einen Kündigungsprozess erlebt, der so stark durch Manipulation dafür sorgen möchte, dass man bleibt. „Sie haben direkt keinen Zugriff mehr“ „Ihnen werden 44 Euro in Rechnung gestellt für den restlichen Vertragszeitraum, die Funktionen enden aber schon in 14 Tagen“ Adobe will Aussteigern in diesem Moment sagen: „Du kannst ohne uns nicht kreativ sein. Du bist abhängig von unserer Software“ Angst-Manipulation, die die Kreativität des Anwenders in Frage stellt.

Wir wissen es alle besser. Kreativität ist unabhängig von den Werkzeugen und es gibt für alles Alternativen. Auch für Lightroom und Photoshop. Also scheiss auf Adobe.

Diese Art von Abos vermitteln einem den Eindruck, dass sie fürs Leben sind. Einmal rein, nie wieder raus. Gut für Adobe und seine Aktionäre. Schlecht für den Anwender. Pure Abhängigkeit.

Um dann die letzten Reste der Creative Cloud vom Rechner zu bekommen muss man ein bestimmtes Deinstallations-Programm herunterladen und ausführen. Adobe rät natürlich strengstens davon ab… Die nehmen einfach ungern den Fuß aus der Tür. Ich überlege aktuell ernsthaft ob ich unsere Adobe Anteile verkaufe.

Die Abo Kündigung ist Teil einer digitalen Aufräumaktion. Sich wieder mal fragen: „Was brauche ich? und was nicht?“ So lässt sich Geld sparen. Dann geht es weiter zur Festplatte des Rechners. Große Dateien, die ich nicht brauche. Programme die ich nicht nutze. Alles kommt weg. Digitalen und materiellen Ballast abwerfen.

Kommen wir zu etwas Inspirierendem. Christoph Waltz wurde gestern 65 Jahre alt. Das allein reicht natürlich nicht aus um uns zu inspirieren… Der Schauspieler und sein Leben aber tun es. Arte zeigt eine sehenswerte Dokumentation über seine Grundsätze, seinen schauspielerischen Ansatz und seinen Lebensweg. In „Christoph Waltz – Der Charme des Bösen“ kommt er häufig selbst zu Wort. Und das ist spannend weil er ganz genau weiß wer er ist und was er will. Der weltweite Ruhm und die beiden Oscars kamen spät in seiner Karriere. Durch Rollen in Inglorious Basterds und Django Unchained. Das macht ihn entspannt. Er muss nichts beweisen, ist nicht bemüht einen Mythos zu kreieren. Pragmatisch und klar. Subtil und Intelligent. „Er könne nur gut sein, wenn’s gut geschrieben ist“ sagt er und teilt damit die Aufmerksamkeit mit dem Drehbuch und dessen Verfasser.

„Ich lege Wert darauf, dass ich bisweilen sehr genau bin. Dass ich sogar auf Satzzeichen achte. Ich improvisiere nicht. Überhaupt nicht. Nie. Es geht nicht dass man sagt: die Rolle ist nicht so gut aber der Schauspieler ist wahnsinnig gut, der wird das schon hinbiegen. Das geht schief. Das funktioniert nicht. Die Rolle muss gut sein und dann muss der Schauspieler richtig sein. Und so lassen sich Geschichten erzählen. Das ist wie in der Politik.

Warum nehmen wir Christoph Waltz das Böse, das Diabolische so sehr ab? Weil er dem bösen Normalität verleiht, Rationalität. Und das macht Menschen gefährlich. Er weiß wie man eine Maske trägt und das lässt seine Darstellung abgründiger Charaktere so realistisch wirken.

„Was man so im Genre Kino oft als Böses bezeichnet ist nicht Böse. Die reissende Nazibestie mit den fletschenden Zähnen ist nicht gefährlich…die ist dumm.“

Laut Christoph Waltz gibt es in der Schauspielerei kein gut und schlecht. Es gibt nur richtig. Für jede oder jeden würde es eine Rolle geben, in der sie oder er brillieren könne. Schwer ist nur diese Rollen den richtigen Menschen zuzuordnen.

Tage ohne zeitliche Struktur fallen mir schwer. Mit Zeit in den Tag hineinleben hat in mir das Resultat zur Folge, dass ich mich verliere. Ich sehe nicht klar, was vor mir ist, was ich erreichen möchte. Es klingt seltsam, aber manchmal ist ein limitierender Tag, an dem man noch einen Dienst auf der Arbeit macht, produktiver. Erfüllter. Das ist nicht immer so. Aber heute.

Am Abend sehe ich eine 15 Minuten Kurzdokumentation von Tracks (die unter Arte moderne Musikthemen behandeln). Es geht um Denis Berger, oder PVLACE, wie man ihn in der Hip Hop Branche kennt. PVLACE ist 25 Jahre alt, lebt in Heilbronn und hat ausgesorgt. Er kreiert für amerikanische Rap-Größen Beats. Genau betrachtet schreibt er Loops, sozusagen die Melodie der Beats. Die Drumparts kommen von anderen Produzenten. Zusammen bilden Loop und Drums dann den Beat über den gerappt wird. Die Branche ist mittlerweile global und die Nachfrage nach Musikstücken unglaublich groß. Amerikanische Rapper sind fast täglich im Studio und produzieren immer mehr Musik. Es muss permanent für Nachschub gesorgt werden. So kommt es, dass ein großer Teil der Musik dieser Acts aus Europa stammt. Der Produzent trifft den Rapper nur in den seltensten Fällen. Es gibt heute kein klassisches Künstler / Produzenten Verhältnis. Auch weil der Fokus auf einzelnen Liedern und weniger auf einem Gesamtkunstwerk liegt. Das erinnert an die 50er und frühen 60er Jahren in denen Songwriter, z.B. im Brill Building in New York, Hits am Fließband produzierten. Jede Etage hatte kleine Büros mit Klavieren und einfachen Aufnahmegeräten. Es war praktisch ein Bürojob. Man kam morgens auf die Arbeit, schrieb Songs und machte abends Feierabend.

Damals wie heute ist das die effizienteste Art Musik zu produzieren und Geld zu verdienen. Es bietet nicht die höchste künstlerische Qualität, dafür Quantität.

Der Inbegriff von pragmatisch.

Enden will ich heute mit einem Zitat der Produzentenlegende Rick Rubin:

„One of the things that can slow down the creative process, or completing a work, is the unrealistic search for perfection.“

„Eines der Dinge, die den kreativen Prozess oder die Fertigstellung eines Werks verlangsamen können, ist das unrealistische Streben nach Perfektion.“

Rick Rubin

Bis morgen.
An Tag 10816.
Welcher Tag ist heute für dich?
…und was macht ihn besonders?

Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s