Rauschzustände | 10808

Tag 10808 am Leben. Gestern war alles was ich nicht will. Kein Bewusstsein, Gespür oder Gleichgewicht.

Wichtig ist nur die Fehler nicht zu wiederholen. Deshalb startet 10808 ohne Handy und ohne Arbeit am Rechner.

Schon seit einiger Zeit, möchte ich das Meditieren in meinen Alltag integrieren. Nicht nur die bewusste Meditations-Praxis, sondern auch als natürlicher Teil des Denkens im Alltag.

Ich hatte vor einigen Jahren mal die Headspace App ausprobiert. die einen durch verschiedene Meditationen leitet und versucht an Regelmäßigkeit zu erinnern. Das hat damals für mich nicht lange funktioniert. Außerdem war mir der monatliche Preis, im Bezug auf die Leistung, zu hoch.

Mittlerweile gibt es Headspace in 3 verschiedenen Varianten aber auch auf Netflix. Einmal eine klassische Meditationsanleitung, in der man wie in einer Serien-Staffel, Folgen auswählen kann, die alle eine geführte Meditation, zu verschiedenen Themen, wie dem Umgang mit Stress, Schmerz oder Wut, bereitstellen. Dann gibt es noch die „Interaktive Entspannung“ und „eine Schlafanleitung“

Viele von uns nutzen sowieso Netflix. Warum also nur für Unterhaltung und nicht auch dafür, ohne Mehrkosten, Meditieren zu verinnerlichen?

Ich nutze heute morgen Folge 4: Umgang mit Stress. 21 Minuten die helfen, gut in den Tag zu starten.

Löst bei Allem was ich tue, die Präsenz der Kamera vielleicht auch Stress aus? Ich muss an Metallicas Sänger und Gitarristen Hetfield denken, der sich in der Dokumentation „Some Kind of Monster“ vom Kamerateam eingeschüchtert fühlt. Da ich selbst bestimmen kann was, wann und wie gefilmt wird, begreife ich die Kamera eher als Teil meiner Wahrnehmung. Als Erweiterung für zusätzliche Blickwinkel sozusagen.

Was heute morgen, neben der kurzen Meditation hilft, ist schreiben. Auf Papier. Es löst die Anspannung, hilft die Gedanken zu ordnen und ziehen zu lassen.
Schreiben hilft mir beim Loslassen, weil ich nicht permanent denke: „das muss ich mir für’s Video behalten“ Gerade wenn die Gedanken um eine virtuelle Welt zu kreisen scheinen.

Es ist jetzt halb 8. Zeit nach draußen zu gehen. Die letzten Tage zu wenig Bewegung gehabt. Es ist klar und kalt. Die Sonne ist schon aufgegangen, steht aber tief. Dank Melina, habe ich einen „Durch den Monsun“ – Ohrwurm Tokio Hotel hat 2020 den Song neu aufgenommen. Der Text eines 15 Jährigen, neu interpretiert vom über doppelt so alten Selbst. Ein guter Pop-Song, egal ob man mit Tokio Hotel damals etwas anfangen konnte oder nicht.

Ich will den Song jetzt trotzdem loswerden und höre die aktuelle Podcast-Episode von Hotel Matze. Marteria ist zu Gast und das Gespräch findet öffentlich statt. Muss schwierig sein Intimität aufzubauen, während man auf einer Bühne vor Publikum sitzt. Das hat dann eher was von Late Night Show und bleibt recht oberflächlich und verkrampft. Als Matze Hielscher und Marteria dann aber über Rauschzustände sprechen, wird es für mich spannend. Marteria ist bekannt für Exzess, Matze Hielscher lebt schon länger abstinent.

Nach einem lebensbedrohlichen Nierenversagen konsumierte Marteria 3 Jahre lang keinen Alkohol oder andere Drogen, um dann aber wieder damit zu beginnen. „eineinhalb Jahre davon wäre es gut gewesen, die restlichen eineinhalb richtig scheiße“ sagt er und wird daraufhin von Hielscher aufgefordert von der ersten positiven Hälfte zu erzählen:

„Ja man geht dann halt ins Lido (Indie-Club in Berlin), trinkt ein alkoholfreies Bier, dann ist man um halb eins müde, man weiss alles, man ist ein Klugscheisser, unfassbar nervig, grantelig, keiner ruft dich mehr an… An Matze gerichtet hängt er an „du kennst das ja alles gerade“ und die Zuschauer lachen. „Du weißt immer alles , du denkst immer an alles, du weißt immer wo jeder Schlüssel ist, verlierst kein Handy, keinen Ehering…es nervt halt wie sau irgendwann“

Marteria – im Hotel Matze Podcast

Das spricht mich an weil ich seit Jahren nichts trinke, oft gehemmt bin und mir ein wenig Kontrollverlust mal ganz gut tun würde. Rauschsituationen würden Dinge möglich machen, die in nüchternem Zustand undenkbar wären. Vielleicht auch mehr Spontanität, sich fallen lassen, Gedanken ausschalten.

Ich vergesse langsam sogar wie es war völlig betrunken über ein Festival zu stolpern, völlig betrunken bei einem Nofx-Konzert rumzumachen oder völlig betrunken auf einem Dorf-Feuerwehrfest peinlich zu tanzen.

Ich muss zugeben, dass ich mittlerweile ein abstinenter Klugscheisser bin. Das heißt nicht dass ich unglücklich bin. Unvorhersehbares lässt sich ja auch woanders finden. Alles hat Vor- und Nachteile. Mal schauen was die Zeit bringt.

Es tut an diesem Morgen gut wieder Impulse zu bekommen. Auch von draußen. Die aufgehende Sonne, die komplett nassen und kalten Füße. Pferdeschnauzen. Alles macht auf einmal wieder Sinn.

Bis morgen. Tag 10809. Welcher Tag ist heute für dich? Und was macht ihn besonders? Schreib’s in die Kommentare.

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