In die Ecke gedrängt | 10802

Heute ist mein 10802. Tag am Leben. Er startet um 5 Uhr. Punkt für Punkt arbeite ich eine To-Do-Liste ab. Phoebe Bridgers Cover Version von Nothing Else Matters macht mir Gänsehaut und ich muss das Lied im Video verwenden, das ich gerade schneide. Nach drei Stunden im Büro sich kurz Sauerstoff und Sonnenlicht aussetzen, dann ein Protein-Shake und mit Melina am Küchentisch sitzen. Sie geht zum Sport und ich mache weiter.

Schneiden, Voice over aufnehmen, beschriften, Untertitel hinzufügen, Website füllen und zwischendrin filmen.

Dann ist Melina zurück und nach einem kurzen Essen auch schon wieder unterwegs zur Arbeit.

Ich schlafe 15 Minuten und kümmere mich danach um das Youtube-Urheberrecht, das es ermöglicht durch Labels lizensierte Musikstücke zu verwenden, wenn man die potenziellen Einnahmen an die Urheber abtritt. Nutzt man einen lizensierten Song in einem Video, ist es nicht möglich dieses Video zu monetarisieren. Der Urheber darf Werbung schalten um Einnahmen zu erzielen, unabhängig davon ob man Teil des Youtube Partnerprogramms ist, oder nicht. Musik hilft die richtige Emotion zu vermitteln. Ein guter Song ist in der Lage die verschiedenen Teile eines Films zusammenzufügen. Da lohnt es sich auf potenzielle Einnahmen zu verzichten.

Während Emotionen in der Kunst unausweichlich und benötigt sind, wirken sie an anderen Stellen destruktiv. Es kann zu Kränkungen führen, die in Extremfällen, Eskalationen zur Folge haben. So wie in Idar-Oberstein vor einigen Tagen, als ein, in einer Tankstelle arbeitender, Student, nach verbalen Auseinandersetzungen, durch einen Schuss in den Kopf ermordet wurde. Er hatte den späteren Mörder dazu aufgefordert sich in der Tankstelle an die Maskenpflicht zu halten. Dann eskalierte es. „Laut Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte gesagt haben, er habe sich in die Ecke gedrängt gefühlt und keinen anderen Ausweg gesehen, als ein Zeichen zu setzen.“ – Faz.net

Ich telefoniere mit meinem besten Freund und wir sprechen über diese Energie, die unterschwellig zu brodeln scheint. Unverstanden, durch Propaganda geformt und abgelehnt durch Teile der Gesellschaft, formiert sich eine Gruppe von Ausgestoßenen, die einen Mord als notwendiges Zeichen in Erwägung ziehen. Es geht gegen „die da oben“. Gegen die, die es augenscheinlich besser haben. Gegen die, die bestimmen. Mit Verschwörungstheorien als Brandbeschleuniger, könnte es zu weiteren Taten mit Symbolcharakter kommen. Wie verhindert man Eskalation? Es bleibt nur Besonnenheit. Ruhig bleiben. Sich nicht einlassen auf Auseinandersetzungen. Jedem muss bewusst sein welche Folgen die eigenen Worte haben können. Jede Konfrontation kann zur Explosion führen. Es scheint unmöglich die, die sich nicht verstanden und gehört fühlen, aufzufangen. Zu tief sitzen emotionale Kränkungen, die in Gewalt kanalisiert werden.

Es ist ein klarer Herbst-Tag. Die Wärme des Sommers, abgelöst durch kühlen Wind. Wetter, das Menschen, die den Terroranschlag in New York vor 20 Jahren miterlebt haben, immer noch daran erinnert. Am 11.September 2001 war der Himmel blau gewesen, ohne eine Wolke. Abends schaue ich die Apple+ Dokumentation: 9/11 im Krisenstab des US-Präsidenten, die mit einem joggenden Präsidenten am Morgen beginnt und dann den Tag, aus Sicht des Krisenstabs beleuchtet. Es ist erschreckend wie dilettantisch und handlungsunfähig die Regierung zeitweise war. Durch veraltete Technik war es nicht möglich zwischen der Air Force One und dem Bunker unter dem weissen Haus zu kommunizieren. Die Angst, es könnte ein Anschlag auf den Präsidenten verübt werden, sorgte dafür das Bush und seine Agenten, sich überwiegend in der Luft aufhielten, wo sie abhängig von signalschwachen Fernsehbildern waren, um an Informationen zu gelangen. „Second plane has hit the second tower. America is under attack“ , das waren die Worte die George W. Bush, während des Besuchs einer Grundschule, ins Ohr geflüstert bekam. Seinem Blick sieht man die Gedanken an. Er bleibt noch einige Minuten sitzen, bevor er das Klassenzimmer verlässt. Die Dokumentation fasst einen der schrecklichsten Tage der jüngeren Geschichte gescchickt zusammen und lässt alle wichtigen Beteiligten zu Wort kommen. Unter ihnen Präsident George W. Bush. Insgesamt starben 2977 Menschen. Es wären noch mehr gewesen, hätten sich die Passagiere von Flug United 93 nicht geopfert, indem sie die Entführer überwältigten und das Flugzeug auf ein Feld stürzen ließen. Dieser Anschlag nahm der wichtigsten Skyline des mächtigsten Landes der Welt ihre Symbole und erinnerte die amerikanische Bevölkerung über Jahre an diesen Tag.

Bevor ich schlafen gehe noch ein komplett medizinisch unbestätigter, subjektive logischer Gesundheitstipp: Wenn ihr, wie ich, beim Schlafen durch den Mund atmet und dieser morgens komplett ausgetrocknet ist… klebt euch den Mund zu. In meiner Wahrnehmung verbessert es den Schlaf und die eingeatmete Luft wird durch die Nase besser gefiltert. Außerdem habe ich das Gefühl, das ein trockener Mundraum während einer Erkältung zu wesentlich stärkeren Halsschmerzen führt… Die Mundflora als natürliche Barriere sozusagen..

Bis morgen!
An meinem 10803. Tag.
Welcher Tag ist heute für dich?
Und was macht ihn besonders?

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