Beziehung | Tag 10803

Heute ist mein 10803. Tag am Leben.

Der Tag beginnt mit einem typischen Morgen in unserer Beziehung. Ich stehe auf, Melina schläft gerne etwas länger. Nachdem sie Musik gehört hat, schaut sie gegen halb 10 durch die Glastür zu meinem Büro.

Dann sitzen wir für einige Minuten am Tisch und unterhalten uns, bevor Melina zum Sport und ich zurück vor den Rechner oder nach draußen gehe. Erst kürzlich ist mir bewusst geworden, wie viel Zeit wir miteinander verbringen können. Und was für ein Privileg das ist. Spaziergänge am Vormittag. Abends unter der Woche ins Kino oder Essen gehen. Unsere gemeinsamen Aktivitäten sind selten aufs Wochenende beschränkt, das in vielen Beziehungen gleichzeitig die einzige Möglichkeit bietet Familie oder Freunde zu sehen.

Problematisch wird es, wenn ich wenige Dienste habe und permanent in der Wohnung bin. Dann merke ich, das Melina sich wünscht ich wäre mal einen kompletten Tag woanders. Und das völlig Zurecht. Zu wenig oder zu viel Zeit. Es geht immer darum die Balance zu halten. Es nicht zu überstrapazieren. Der Partnerin oder dem Partner Raum lassen und gleichzeitig zeigen, dass man da ist wenn man gebraucht wird. Vertrauen und gleichzeitig neue Entwicklungen zulassen.

Würde man sich als Single bei einem Date für die jetzige Partnerin oder den Partner entscheiden, ohne sie oder ihn zu kennen? Anhand der Eigenschaften und Zukunftsvision? Ob Menschen zusammen kommen oder nicht hat doch mit unterschiedlichsten Faktoren und dem richtigen Moment zu tun zu haben. Wahrscheinlich würde es sogar Sinn machen, dass sich die Partner nach einigen Jahren jeweils umorientieren. Weil sich jeder Mensch entwickelt und die Wahrscheinlichkeit dass dies komplett parallel geschieht doch ziemlich unwahrscheinlich ist. Da kommt wieder die gesellschaftliche Norm ins Spiel. Es ist weiterhin eher akzeptiert eine Beziehung auf ein möglichst langes Bestehen auszurichten, als darauf, das sie erfüllend ist. Das heißt natürlich nicht, dass in diesem Bereich in den letzten Jahren keine progressive Entwicklung stattgefunden hat und auch nicht das glückliche Beziehungen über Jahrzehnte hinweg ausgeschlossen sind.

Ich bin den Tag über wieder alleine. Sitze zu viel vor dem Macbook und verliere schnell die zeitliche Relation. Um dem entgegenzuwirken zwinge ich mich nach draußen. Wie die letzten Tage scheint die Sonne und ich setze mich vor’s Haus und lese. Chuck Palahniuk, der Autor von Fight Club, hat ein Buch über seine Tätigkeit geschrieben. Es trägt den sperrigen Titel: „Consider this: Moments in my Writing Life after which everything was different“ und ist gefüllt mit praxisorientierten Denkanstößen zum kreativen Schreibprozess und Geschichten erzählen.

Hier ein Zitat aus dem Buch: „Das Problem ist, dass die Leser vor dem Pronomen „ich“ zurückschrecken, weil es sie ständig daran erinnert, dass sie selbst die Ereignisse der Handlung nicht miterleben. Wir hassen das, wenn wir jemandem zuhören müssen, dessen Geschichten nur von ihm selbst handeln. Die Lösung besteht darin, die erste Person zu verwenden, aber das „Ich“ unterzutauchen und den Fokus immer auf andere Personen zu richten.“ -Chuck Palahniuk

(Das Zitat beschreibt übrigens ein Problem mit dem die meisten meiner Texte aktuell noch zu kämpfen haben…)

Aber lohnt sich ein solches Buch auch für Menschen, die wie ich, nicht unbedingt Schriftsteller werden möchten? Ich würde sagen ja…einfach weil die Kunst gute Geschichten zu erzählen, jedem kreativen Menschen hilft die eigene Vision umzusetzen. Es geht darum zu unterhalten, Spannung zu erzeugen und sie dann wieder aufzulösen. Eine Dynamik die den Leser oder Betrachter herausfordert, konfrontiert und spiegelt.

Duscht sich von euch jemand kalt ab? Was Kneipp schon geahnt hat, ist seit Jahren durch einige Studien bestätigt. Regelmäßige Wechselbäder stärken nachhaltig das Immunsystem, helfen beim Abnehmen und senken Stress. Ich mache das seit einigen Wochen nach der regulären Dusche für ca. eine Minute und ich muss sagen, dass ich mich danach gut fühle. Außerdem macht mich die Überwindung den Hahn komplett nach rechts zu drehen, irgendwie süchtig. Keine Ahnung warum.

Während ich das Abendessen vorbereite schaue ich eine Folge Lanz. Vertreter*innen von CDU, den Grünen und der FDP diskutieren, unter anderem, über Einwanderungspolitik. Ein komplexes Thema über das es sich lohnt zu sprechen.

Anders verhält es sich wenn es um „Verbote“ geht. Gerade FDP und AFD, schüren im Wahlkampf, durch die Nutzung dieses Wortes, immer wieder Angst. Der potenzielle Wähler wird damit konfrontiert, etwas weggenommen zu bekommen. „Auf deutschen Autobahnen keine 250 mehr fahren dürfen?“ „Kein Billig-Fleisch mehr?“ „Keine Inlandsflüge?“ und „Keine SUV’s in den Innenstädten?“

Denkt man über diese Punkte nach, kommt man zu dem Schluss, dass keine dieser, nennen wir sie mal Gebote, Sinn machen. Zumindest nicht wenn man rational darüber nachdenkt. Unser Verhalten als Gesellschaft verändert sich im Laufe der Zeit in natürlicher Art und Weise. Etwas das vor 30 Jahren vielleicht noch Sinn gemacht hat, kann heute völlig unsinnig sein. Einfach weil unsere Situation eine andere ist, oder wir auf mehr Informationen zurückgreifen können.
Beitrag zum Thema (TAZ)

Die Wahlplakate von FDP und AFD zielen natürlich in keinster Weise auf eine rationale Argumentation ab… sie wollen eine emotionale Reaktion auslösen. Angst eignet sich weiterhin perfekt als Manipulator.

Melina kommt vom Spätdienst und wir schauen „Jerks“ mit Christian Ulmen und Fahri Yardim. Eine der Serien, die es immer wieder schafft zu überraschen. Irgendwie angenehm unangenehm… Falls ihr die Serie schaut wisst ihr was ich meine.

Wir sehen und hören uns morgen. An meinem 10804. Tag. Welcher Tag ist heute für dich? Und was macht ihn besonders? Schreib’s in die Kommentare.

Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s