An einem Freitag Abend in der Therme

Melina und ich sind seit langer Zeit wieder in der Therme und genießen völlig unterschiedlich. Sie verbringt Zeit in Saune und Ruheraum. Mir reicht ein Saunagang, dann nicke ich im, holzgetäfelten Raum, neben ihr, weg. Sie schaltet ab. Ich nicht. Während ich alleine im Wasser am Beckenrand stehe, schaue ich um mich. Es ist Freitag Abend. Paare, junge Familien, Kleinkinder. Und auch wenn ich eine Beziehung führe, fühle ich mich fremd zwischen ihren Blicken, die nur einander gelten.

Es sind schöne und weniger schöne, dicke, dünne, große und kleine, die sich zu Paaren zusammengefunden haben, um, wenn die Blicke lange genug zugeneigt und lüstern bleiben, für die nächste Generation zu sorgen. Und wenn die Kleinen da sind verblasst alles andere. Der Mittelpunkt verändert sich. Noch nicht einmal Tarantino, der mit Ende 50 das erste Mal Vater wurde, kann sich dieser Einnahme, dieser Eroberung entziehen. Aber er kann die Sache entspannter angehen. 30 produktive Jahre für die Kunst liegen hinter ihm. Ohne Kompromiss. Egoistisch mit klarem Ziel. Meine Gedanken kreisen um die Frage warum mir das zu wenig scheint. Wer bin ich, um anzunehmen, dass es mir nicht gefallen würde Vater zu sein? Dass es mich nicht erfüllen würde? Das würde es bestimmt.

Aber ich möchte, selbstzentriert wie ich bin, dieses Feld nicht freimachen. Und während also um mich herum der natürliche Prozess seinen Lauf nimmt, fühle ich mich als Außenseiter. Allein im Wasser stehend, an Tarantino denkend. So überheblich von mir das glückliche Leben der Anderen als künstlerisch bedeutungslos abzuwerten. Da sitze ich auf einer von zwei Liegen, die als Liegenpaare in der Schwimmhalle stehen. Weil die Menschen hier zu zweit sind, sind es auch die Liegen. Weil die Menschen zum Abschalten hier sind. Weil die Menschen hier sind, um entspannt zu sein.

Und ich bin nicht entspannt, aber glücklich, während ich hier alleine sitze um nachzudenken und zu schreiben. Dabei wissend, dass die Person, die ich liebe gerade im Ruheraum liegt. Dann denke ich daran, dass diese Person sich manchmal wünscht, ich wäre wie die anderen. Und dieser Gedanke bedrückt mich. An einem Freitagabend in der Therme.

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