Endlich wieder Kino … Nomadland

Bevor ich zur eigentlichen Kritik komme…

dieser Film ist, für mich persönlich, einer der besten der letzten Jahre.

Wem das reicht, kann sich jetzt eine Karte im Lieblingskino reservieren und mit Abstand Nomadland genießen.

Alle, die interessiert warum, lesen weiter. Kurz zu Handlung, Setting und thematischem Schwerpunkt. Nomadland spielt im heutigen Amerika. Die große Fabrik in „Empire“ schließt und macht die kleine Stadt zur Geisterstadt. Fern, die Hauptprotagonistin des Films, verliert ihren Mann und Job, hält lange an Wohnort und Erinnerungen fest, bevor sie gezwungen ist „Empire“ hinter sich zu lassen und in einem Van als Wanderarbeiterin, als Nomadin, durch die USA zu ziehen.

Sie teilt ihr Schicksal, mit einer immer größeren Gruppe von Menschen in den USA. Menschen, deren Gehalt nicht ausreicht um in Wohnung oder Haus zu leben und die sich bewusst dazu entscheiden der Konsumgesellschaft, des schrumpfenden Mittelstands, den Rücken zu kehren. Sie bilden eine Gemeinschaft von Außenseitern und Gleichdenkenden, deren Hauptziel es ist Schutz, Akzeptanz, Anerkennung und Bedeutung zu schenken.

Nomadland behandelt Themen wie die größer werdende sozialen Ungerechtigkeit, Armut im Alter, Leben als Kampf, Gemeinschaft, Konsum, Familie, Trauer und die Flucht vor sich selbst.

Die Regisseurin Chloé Zhao (die auch das Drehbuch adaptiert, produziert und den Schnitt des Films übernommen hat) und Francis McDormand als Produzentin und Hauptdarstellerin lassen den Zuschauer nahe an die Menschen heran. Nichts ist geschönt, kein romantisch verklärter Blick auf das so hippe „Vanlife“. Nein, hier kämpfen Menschen ums Überleben und ihre Würde. Das alles wirkt so real…und fühlt sich, auch durch die grandiose schauspielerische Leistung von McDormand, teils wie eine Dokumentation an.

Jede Szene trägt dazu bei, dass wir verstehen was es bedeutet, unterwegs zu sein. Nicht weil man es will, sondern weil man muss. Immer in der unterlegenen Position der Abhängigkeit. Dabei beschränkt sich der Film nicht auf Negativbilder, sondern schafft oft wunderbare Momente voller Leben, Gemeinschaft und Glück.

Was bedeuten unsere Werte? Was ist ein erfülltes Leben? Wie wichtig sind Erfahrungen und Zusammenhalt? Liebe?

Nomadland hält den Finger in die Wunde, die keine rein amerikanische ist, und konfrontiert mit Authentizität. Der Film schafft kein Mitleid, sondern enttarnt, in vielen Momenten, das eigene Leben als bemitleidenswert.

Vielfalt und Nächstenliebe vor Konsumgier. Jedes Leben auf die gleiche Stufe. Nomadland hat mich tief bewegt.

Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s