Von Entgleisungen und Störungen

Vergangenen Mittwoch war ich um sieben Uhr morgens so von Selbstzweifel zerfressen, dass mir keine andere Wahl blieb, als in den Wald zu gehen. „Die Natur wird es richten“, denke ich mir. Das tut sie doch immer oder nicht? Ich packe also meinen Rucksack, nehme die Kamera mit um aufzunehmen was ich sehe. Um daraus einen Film zu machen. Das Ergebnis an zweiter Stelle, zwingt mich die Kamera genau hinzuschauen, anders wahrzunehmen.
Das Filmen zwingt einen konzentriert zu sein, an nichts anderes zu denken.

Das ist genau was ich brauche. Will nicht darüber nachdenken, dass ich vielleicht langsam eine Freundschaft verliere. Darüber mache ich mir Gedanken, weil es mir Angst macht. Nicht nur die Pandemie ist Schuld. Vielleicht treiben unsere Leben auseinander. Ich versuche mich festzuklammern.

Ich beginne zu filmen. Nach drei Stunden komme ich zurück, lade das Bildmaterial in die Final Cut Timeline. 48 Minuten. Ich lasse das Material in der Reihenfolge in der es aufgenommen wurde, kürze alles überflüssige. Es bleiben 4 Minuten. 4 Minuten von deprimiert zu nicht deprimiert. Ich entwickle einen Soundtrack, der das Unstete und meine Anfälligkeit hervorhebt. Meine Schwäche. Beunruhigend.

Dann weiß ich dass der Film fertig ist. Aber es fehlt ein inhaltlicher Faden. Krümel, die zeigen wo es langgeht. Ich hätte dort die Gedanken aufschreiben sollen. Nur in der Situation ist man in der Lage etwas einzufangen.
Es ist mittlerweile der nächste Tag und ich versuche einen Text zu schreiben. Funktioniert nicht. Ich suche alte Notizbücher und Festplatten durch. Eine passende Geschichte, ein Gedicht. Ich finde nichts und realisiere, dass die Musik keine Handlung zulässt. Sie hat sich zu breit gemacht. Es muss etwas loses, etwas abstraktes her.
Also schlage ich ein 6 Jahre altes Notizbuch auf. Die Worte fügen sich ein in das Filmkonstrukt. Nicht ohne Widerwillen.

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