Nicht genug Zeit, um zu warten

„Es gibt Diebe, die nicht bestraft werden und einem doch das Kostbarste stehlen: die Zeit.“
– Napoleon

Zeit ist relativ. Abhängig von Schwerkraft und Geschwindigkeit vergeht sie langsamer oder schneller. Soweit die Physik. Aber wie fühlt sich Zeit für uns persönlich an? Verbunden mit Vergänglichkeit, wissend, dass wir sie weder vermehren, noch anhalten können. Die absolute Limitierung. Der Tod als Finale.

Jeder Mensch hat ein anderes Zeitgefühl, Timing, einen anderen Rhythmus. Jeder im eigenen Beat. Mal vergehen Tage langsam und fließend, manchmal wirken sie wie ein hektischer Augenblick. Der Urlaub scheint schneller zu vergehen, als die ungeliebte Arbeitsroutine. Aber ist das wirklich so?

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Studien haben herausgefunden, dass es für das Gehirn eine große Rolle spielt, wie viel es innerhalb eines bestimmten Zeitintervalls als Erinnerung gespeichert hat. Menschen nehmen Zeit, in der sie viel Neues erleben, im Nachhinein betrachtet sogar als länger war.

Also vergeht sie schnell im Moment und langsam in der Rückbetrachtung. Macht das Sinn? Ich weiß es nicht und werde es nie wissen.

Was wir alle wissen ist, dass sich Zeit als Kind anders anfühlt. Das Leben besteht aus entdecken, und warten. Auf den Geburtstag, Weihnachten, die Sommerferien oder schlicht und einfach auf „das Erwachsenwerden“ Je älter wir aber werden, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen.

Liegt es daran dass im Alter Routinen den Alltag bestimmen? Versteht mich nicht falsch, Routinen können helfen, können Halt geben. Aber sollten oder müssen wir nicht sogar hin und wieder einen Ausbruch wagen?

Würdest du ein Jahr lang jeden Tag genau gleich leben. Die gleichen Menschen, Gespräche, Mahlzeiten und Handlungen…dann würde sich dieses Jahr in deiner Erinnerung doch wahrscheinlich anfühlen wie nur ein einziger Tag. Würdest du dieses eine Jahr jeden Tag in einer komplett neuen Umgebung aufwachen, wäre das zwar anstrengend, könnte sich im Nachhinein aber anfühlen wie ein ganzes Leben.

Warum werden unsere Zukunftsvisionen aus Kindheit und Jugend auf einmal zu einem Rückblick. Zum rührseligen Geschichten erzählen. Wir warten auf ein Leben, dass wir uns ersehnen, mit großen Erwartungen… aber schneller als wir denken schauen wir zurück und realisieren, dass wir gelebt haben, dass das meiste hinter uns liegt. Wie fühlt sich diese Erkenntnis im Alter an? Schmerzhaft? Befreiend? Haben wir selbst in der Hand wann wir vom Vorausschauen ins Zurückschauen wechseln? Ich denke, es liegt daran wie lange man sich Neuem aussetzt, wie lange man es schafft die Trägheit, die stärker werdende Schwerkraft, die einen in der Komfortzone hält, zu überwinden.

Jeder einzelne von uns wird unbedeutend sein. Die einen früher die anderen später. Wie beruhigend oder?

„Was ist die Zeit? Ein Geheimnis — wesenlos und allmächtig“ – Thomas Mann „Der Zauberberg“

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